Erziehung des Alaskan Malamute ©

Erziehung:
Über die Erziehung des Schlittenhundes wird jeder Besitzer seine eigenen Theorien haben, die durch die jeweilige Erfahrung durchaus ihre Richtigkeit haben können. Ein tatsächlich allumfassendes Erziehungskonzept für Schlittenhunde gibt es auch nicht. Denn jeder Schlittenhund ist einmalig, besitzt seinen ganz spezifischen Charakter und bestimmte Eigenheiten, die ein anderer Schlittenhund nicht aufweisen muss. Abgesehen davon spielen bei der Erziehung des Tieres auch die Lebensweise und – art des Halters, gerade auch dessen Gewohnheiten und menschlichen Charakterzüge eine große Rolle. Schließlich passt sich der einzeln in der menschlichen Familie lebende Schlittenhund seinem Halter so gut an, dass er sogar dessen „Neurosen“ übernehmen kann.
Aus vorher genannten Gründen können wir an dieser Stelle „nur“ unsere eigenen Erfahrungen anbieten. Dass Schlittenhunde zu den „Schwererziehbaren“ gehören würden, ist falsch. Natürlich verlangen sie sehr viel Aufmerksamkeit, Geduld und Einfühlungsvermögen von ihrem Halter, denn sie sind urwüchsige und in jeder Hinsicht sehr sensible Tiere. Wenn wir uns als Menschen aber der Regeln bewusst sind, nach denen Schlittenhunde (dem Wolf sehr ähnlich) reagieren, leben und handeln, uns gezielt danach richten, werden wir unseren Schlittenhund zu einem wunderbaren Kameraden und Begleiter erziehen können.
Schlittenhund wird stubenrein:
Schlittenhunde gehören zu den „sauberen“ Hunderassen. Sie können deshalb recht schnell und leicht stubenrein erzogen werden. Von der körperlichen Entwicklung her ist ein Welpe im Durchschnitt erst ab der 12. Woche in der Lage, Blase und Darm unter Kontrolle zu halten und nach Möglichkeit dann zu lösen, wenn es der Tagesrhythmus des Halters erlaubt.
Zuerst sollte mit dem Welpen nach jeder Mahlzeit und nach dem Schlafen spazieren gegangen werden. Wichtig ist, dass in den ersten Wochen der Tagesrhythmus streng beibehalten wird. Auch später kann Regelmäßigkeit und Kontinuität nichts schaden. Der Welpe sollte nach Möglichkeit immer an die gleichen Stellen geführt werden. Lob nach der Erledigung „seines Geschäftes“ kann ihm noch besser zu verstehen geben, wo sein Platz zum Lösen ist. Innerhalb von 14 Tagen kann so ein junger Hund stubenrein erzogen worden sein.
Falls dem jungen Tier doch einmal zu Hause das Malheur passiert, sollte man es auf gar keinen Fall hart strafen oder gar seine Nase in die ungewollte Hinterlassenschaft drücken. Das wäre Tierquälerei, einmal davon abgesehen, dass der Hund sowieso nicht versteht, was ihm warum geschieht. Ein klares strenges Wort mit deutlichem Zeig auf den „Haufen/Pfütze“ am falschen Ort genügen vollkommen, sofern das Tier mehr oder weniger bei „frischer Tat“ ertappt wurde.
Erwachsene Tiere lösen sich manchmal an „unerlaubten Orten“, an denen sich früher einmal ein Welpe oder auch eine Katze „vergessen“ hat. Strafen hilft in einem solchen Falle nicht. Schlittenhunde wissen ohnehin ganz genau, wann sie sich am falschen Ort gelöst haben. Meistens haben wir sie zu lang warten lassen. Ein Stundenrhythmus von etwa 6 bis 8 Stunden sollte beim erwachsenen Tier eingehalten werden. Am besten wären natürlich kürzere Abstände. Hündinnen können während der Läufigkeit einige Schwierigkeiten haben, sich lang genug zu halten.
Schlittenhund allein zu Haus:
Ein Schlittenhund, der es nicht gelernt hat, allein zu Hause geduldig auf die Rückkehr seines Halters zu warten, wird die gesamte Nachbarschaft mit seinem herzzerreißenden Geheule in Aufruhr versetzen. Ohne weiteres aber wird das Tier nicht ruhig zu Hause warten. Es bedarf eines Gewöhnungsprozesses, der in kleinen Schritten von statten gehen soll.
Man wählt am besten eine Ruhephase des Welpen, um ihn das erste Mal allein zu lassen. Die Zeit fürs erste Mal sollte 10 Minuten nicht übersteigen. Wenn er ruhig gewesen ist, kann gelobt werden. Sollte das Tier allerdings in herzzerreißendes Geheule verfallen, sollte man sofort zurückkehren, mit ihm schimpfen und die Prozedur noch einmal wiederholen. Mit der Zeit werden die Abstände zwischen Gehen und Kommen größer, bis das Tier in der gewünschten Zeit ruhig allein zu Hause bleiben kann. Zum „Erfolgstest“ sollte man sich nicht scheuen, den Nachbarn um Hilfe zu bitten.
Die Wohnung bzw. das Haus sollten in jedem Falle „hundesicher“ gemacht werden. Schuhe sind für das Tier besonders anziehen, zum einen wegen des Materials, zum anderen wegen des vertrauten Geruchs von Herrchen/Frauchen. Gerade wenn der Zahnwechsel bei Welpen einsetzt, wird das junge Tier auf allem herum knabbern, das sich halbwegs dazu anbietet. Deshalb sollten Kauknochen aus Büffelhaut und ausreichend Hundespielzeug zur Verfügung stehen.
Mülleimer und Mülltüten müssen unbedingt sicher verwahrt sein, so dass der Hund nicht heranreicht. Kein Hund wird auf Dauer einem solchen Geruch widerstehen können, die Folgen aber wären in gesundheitlicher Hinsicht fatal. Gleiches gilt für jene Haushalte, in denen noch Katzen zusätzlich leben. Es sollte unbedingt dafür gesorgt werden, dass der Hund nicht an das Katzenklo und auch nicht an das Katzenfutter herankommt. Leider haben einige Schlittenhunde auch über ihre Jugend hinaus die Angewohnheit, sich an den Hinterlassenschaften der Katzen gütlich zu tun.
Sind übrigens noch andere Tiere im Haus, wie Katzen oder sogar ein Artgenosse, wird die Gewöhnung an das Alleinsein leichter fallen. In der Welpen- und Jugendphase aber ist es besonders wichtig, den Haushalt absolut „hundesicher“ einzurichten, da Schlittenhunde mit reichlich Intelligenz ausgestattet sind, erstaunliche Energie und beinahe schon bewundernswerte Strategien entwickeln, wenn sie etwas erreichen wollen (z.B. wie das achtlos auf dem Küchentisch liegen gelassene Toastbrot).
Schlittenhund hört auf seinen Namen:
Ein Schlittenhund kann eigentlich von Anfang an trainiert werden, auf seinen Namen und damit auf Anruf seines Herrchens zu hören, nicht selten schon ab der 8. Lebenswoche. Beginnen lässt sich dieses Training schon bei der Futtergabe. Ist das Futter vorbereitet, wird das Tier mit seinem Namen gerufen. Nach kurzer Zeit schon kommt der kleine Racker auf Ruf.
Beim Spazieren lässt sich dieses Training ohne Leine ganz gut fortsetzen (auf verkehrssicherem Terrain natürlich). Das Tier wird bei seinem Namen gerufen. Kommt es nicht oder läuft es vorneweg, sollte der Halter demonstrativ eine andere Richtung einschlagen. Jeder Welpe kommt in diesem Falle seinem Herrchen/Frauchen hinterhergelaufen, weil er Angst hat, den Anschluss an sein „Rudel“ zu verlieren. Ist der Kleine endlich auf den Ruf seines Namens hin zum Herrchen/Frauchen gekommen, sollte er reichlich gelobt und vielleicht mit einem „Leckerchen“ ausnahmsweise belohnt werden. Man sollte mit „Leckerchen“ sehr sparsam sein, da sonst der Hund immer ein „Leckerchen“ verlangt, wenn er auf seinen Namen hört oder bei ähnlichen „Befehle“. Also, wenn das Kommando sich beim Hund einigermaßen eingeprägt hat, bitte jedes weitere Training ohne „Leckerchen“ durchziehen.
„Sitz“, „Platz“, „bei Fuß“…
„Bei Fuß“ gehen ist für jeden Hund nicht sofort zu verstehen. Gerade Schlittenhunde haben hier, genauso wie bei anderen Kommandos, ihren eigenen Kopf. Ist der Schlittenhund der Auffassung: – dieses Kommando ist nicht sinnvoll – dann wird er es auch nicht ausführen wollen. Daher braucht der Schlittenhund eine starke Hand, die ihn führt. Wir müssen ihn deshalb erst einmal leinen führig machen und fangen mit dem Training bereits im Welpenalter an (sofort, wenn er in sein neues Zuhause kommt). Hört er gut auf seinen Namen, zieht nicht unbedingt an der Leine, geht bei dem Kommando „bei Fuß“ korrekt neben seinem Herrchen/Frauchen, wird die Übung ohne Leine durchgeführt. Sollte der Hund gleich versuchen in eine andere Richtung zu laufen, oder vorneweg, sofort zurückrufen bis er kommt und ihn am Halsband anfassend, immer wieder den Befehl sagend, langsam neben sich hergehen lassen.
Der Hund läuft neben uns. Nun geben wir das Kommando „Steh“, damit er neben uns stehen bleibt. Steht er ruhig, geben wir das nächste Kommando „Sitz“. Damit das Tier versteht, was wir meinen, drücken wir dabei mit der einen Hand leicht auf das Hinterteil und heben mit der anderen Hand den Kopf des Hundes leicht an. Danach gehen wir wieder ein kleines Stück mit dem Tier und wiederholen die Übung. Reagiert der Hund ohne unser weiteres Zutun auf die Kommandos, kann er gelobt werden. 
Diese Übungen wie auch alle hier nicht erwähnten bitte nur höchstens 10 Minuten durchführen, da sonst der Schlittenhund das Interesse verliert und nicht mehr mitarbeitet. Zwischendurch sind kleine Übungen wie
„Komm“, „Sitz“ etc. in jedem Fall bei passender Gelegenheit durchzuführen, wie z.B. vor seiner Mahlzeit, vor dem Überqueren einer Straße…
„Platz“ heißt HINLEGEN und nicht fälschlicherweise Sitz. Das Kommando „Platz“ sollte erst trainiert werden, wenn das Tier „Sitz“ beherrscht und befolgt. Die Vorgehensweise ist ähnlich dem vorangegangenen Training. Um dem Tier zu verdeutlichen, was es auf das Kommando „Platz“ zu tun hat, drücken wir seinen Körper leicht seitlich und ziehen eventuell die Vorderläufe weg, so dass das Tier zum Liegen kommt.
Auch diese Übung sollte nicht länger als 10 Minuten durchgeführt werden. Spätere Wiederholungen sind angebracht, wie z.B. abends vor dem Schlafengehen. Lob hat sich der Hund erst am Ende jeden Trainings verdient. Da Schlittenhunde ohnehin lernbegierig sind, kommt es beim Training der erläuterten Kommandos weniger auf das Lob am Ende, als vielmehr auf die Erfüllung eines „Befehls“ an. Schlittenhunde lernen bereitwillig – bis ins hohe Alter hinein. Mit Geduld, Einfühlungsvermögen, Verständnis und Kontinuität kann man einem Schlittenhund nahezu alles Nützliche für ein gelungenes Miteinander beibringen.
Die dargestellten Aspekte berühren eigentlich nur die Grundausbildung des Schlittenhundes zu einem annehmbaren Familienhund. Wer darüber hinausgehen möchte, sollte sich die Hilfe eines erfahrenen Hundetrainers suchen. Einen Wachhund oder ein aggressives Tier wird man allerdings nicht aus einem Schlittenhund machen können. Einzig der Akita Inu und der Hokkaido Ken sind für direkte Wachaufgaben geeignet, der Samojede nur bedingt, und der Alaskan Malamute sowie der Siberien Husky überhaupt nicht. Wer anstelle des Schlittenhundesports lieber Agility mit seinem Schlittenhund als Hundesportart realisieren möchte, wird auch dabei nach geduldigem Training mit viel Erfolg und natürlich mit dem gemeinsamen Spaß
bei der gemeinsamen Bewältigung einer schwierigen Aufgabe zusammen mit seinem Tier belohnt werden.
© Regina Flock